Wie wir durch unsere Kinder lernen

Kinder sind Menschen, die nicht das erste Mal auf diesem Planeten sind, sondern bereits vierhundertzweiundachzig Mal und noch mehr.
Sie benötigen also nicht unsere "weisen" Ratschläge, sondern wollen hier einfach nur in Ruhe und Frieden groß werden.
Das Machtrefugium des Egos jedoch glaubt, dass ihm seine Kinder gehören und dass er deshalb jegliches Recht hat, diesen Menschen zu dominieren und seinen Vorstellungen anzupassen.
Deshalb besteht das größte Machtverhältnis zwischen Eltern und Kindern.
Diese sind den Eltern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Passen sie sich nicht den Egovorstellungen der Eltern über diese Welt an, werden sie so lange körperlich, geistig und seelisch gequält, bis sie in einem Akt des Überlebenswillens, ihre eigenen Bedürfnisse und Empfindungen verdrängt haben.
Eltern wollen keine eigenständige Persönlichkeit als Kind, sondern immer nur den verlängerten Wurmfortsatz ihrer selbst.
Bis zu ihrem Tod haben sie deshalb meistens nicht kapiert, dass sie überhaupt einen Menschen auf die Welt gebracht haben, sondern lediglich eine Spielfigur, mit der sie ihre Egovorstellungen weitergelebt sehen wollen.
Jemand der sie in ihrem Wahn über sich selbst bestätigt.
Das ist das ambivalente Verhältnis das Eltern und Kinder verbindet und damit das nicht sofort auffällt, wird es mit Emotionen übertüncht, die "Liebe" vorgaukeln.
Dass hier nur eine Zwangsverbindung entstanden ist, in der ansonsten die Existenz der Kinder bedroht wäre, wenn sie sich diesen Egovorstellungen nicht anpassen, wird nicht weiter erwähnt.
Da das elementarste Gefühl eines Menschen die Suche nach Liebe ist und ansonsten niemand da ist, redet er sich selbst ein, dass es Liebe sein muss, wenn er von den Eltern umhegt und umpflegt wird, was es jedoch nicht ist.
Die Eltern umhegen und umpflegen dieses Kind nur, weil es ihre Egovorstellungen über ihr Leben ergänzt.
Würde dieses Kind die eigenen persönlichen Empfindungen und Vorstellungen über diese Welt leben, würde es nicht dazu passen.
Deshalb lernt man durch Eltern nur eines, nämlich die eigenen Empfindungen und die eigene Entwicklung der Persönlichkeit zu unterdrücken, meistens ein Leben lang.
Die emotionale Verbindung zu den Eltern ist so stark im Laufe der Jahre angereift, dass ein Ausbrechen aus diesem lieblosen Schauspiel nicht mehr möglich ist.
Abhängigkeit und Machtverhältnis werden mit Liebe verwechselt.
Bis zum heutigen Tage glauben Eltern, dass sie ihren Kindern etwas beibringen könnten, doch es ist genau umgekehrt. Eigentlich müssten die Eltern von den Kindern lernen und zwar ihr Ego und seine Vorstellungen von dieser Welt immer besser im Griff zu haben.
Wie wir mit unseren Kindern umgehen und wie wir immer mehr erkennen, dass sie nicht unseren Vorstellungen entsprechen müssen, weil sie nicht wirklich etwas mit uns und unserem Ego zu tun haben, zeigt den Reifegrad eines Menschen.
Je mehr er seine Kinder so sein lassen kann wie sie wirklich sind, nämlich vollkommen unabhängige, freie, eigenständige Menschen die seine Egovorstellungen von dieser Welt nicht bestätigen müssen, je mehr hat er dazugelernt.
Die Eltern müssen lernen ihre Macht über die eigenen Kinder nicht für ihre Zwecke auszunützen, deshalb erziehen nicht die Eltern die Kinder, sondern die Kinder die Eltern.
In einem Akt der Selbstliebe, zeigen uns Kinder unsere eigenen Verfehlungen auf.
Deshalb sind sie so überaus wervoll für unsere Entwicklung. Nicht, weil sie unseren Egovorstellungen genügen, sondern weil sie es eben nicht tun.