An alle Menschen die sich einsam fühlen

Jedes Mal wenn ich Menschen vor mir stehen sehe, kann ich ihr Verlorenheitsgefühl wahrnehmen. Die einen versuchen es über ihren Verstand unter Kontrolle zu bringen, die anderen versuchen es gar nicht mehr zu spüren, andere wiederum flüchten sich in Alkohol und Süchte und wieder andere sind besonders harsch. Am meisten kann ich diesen Schmerz bei jungen westlich geprägten Männern wahrnehmen. Je weniger Gewalt diese dabei innehaben, je mehr wird dieser Schmerz greifbar. Diese jungen Männer sind ehrlicher, überspielen ihre diesbezüglichen Empfindungen weniger und sind deshalb schon mehr bei sich. Sie leiden mehr, spüren ihre Einsamkeit mehr und ihr Verlorenheitsgefühl. Sie wirken nach außen hin schwach, doch in Wirklichkeit leben diese Menschen schon ehrlich mit sich selbst wie die meisten anderen.
Eigentlich habe ich das Bedürfnis, immer wenn mir so ein junger Mann begegnet, ihm mitzuteilen, dass alles gut wird.
Dass er sich nicht verloren vorkommen soll und unsicher und dass 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten nicht besser sind wie er. Dass er nicht an sich zweifeln soll und sich nicht als Verlierer sehen soll und vor alledem, sich nicht schuldig fühlen soll, dass er jetzt hier so alleine ist.
Dass sich alle Menschen hier so fühlen, die einen durch Gewalt diesem Gefühl entkommen wollen und die Friedfertigeren sich ihm bereits mehr stellen.
Dass er nicht traurig sein soll, wenn er lauter Monster auf der Straße begegnet, die ständig und permanent versuchen ihn klein zu machen.
Dass er es nicht auf sich beziehen soll, wenn er nur bösartige Menschen trifft, die nicht in der Lage sind auch nur ein Mindestmaß an Wärme und Freundlichkeit leben zu können.
Dass er nicht verzweifelt sein soll, wenn er hier so ganz alleine herumläuft und nichts Anständiges mehr findet und es nur noch Kampf und eine schnelllebige Ellenbogengesellschaft gibt, in der keinerlei Menschlichkeit mehr zählt, sondern nur der weiterkommt, der besonders bösartig und eiskalt ist.
Dass er sich nicht klein und mickrig fühlen soll, wenn die Hartz IV Behörden ihn wie den letzten Dreck behandeln und auf seine Menschenwürde keine Rücksicht mehr nehmen.
Dass er begreifen soll, dass die Gewalttätigen im Land die Schwächeren sind.
Dass er sich ihnen nicht anschließen soll, nur aus lauter Angst. Dass er sich nicht von ihnen verführen lassen soll durch ihre Versprechungen ins Paradies zu kommen, wenn er Gewalt an sich und anderen lebt.
Dass er nicht verzweifelt sein soll, dass die Gesellschaft ihn so im Stich gelassen hat und nur noch Menschen hochhebt, die besonders viel Gewalt leben.
Dass er nicht aufhören soll inmitten dieser Hölle und diesen täglich immer weiter anwachsenden gewalttätigen Energien in seinem Land, an das Gute zu glauben, auch wenn das immer schwerer wird.
Dass er wissen soll, dass es auch noch eine bessere Welt gibt, die das wahre Leben beinhaltet und in der diejenigen die hier jetzt besonders das Sagen haben ganz klein sind. Dass er dort als Held zurückkehren wird, weil er sich nicht verführen hat lassen von der Gewalt die hier auf diesem Planeten herrscht.
Dass er der positiven Energie treu geblieben ist, auch wenn ihn das zu einem Verlierer machte in dieser abartigen Welt. Dass es wichtiger ist diese Energie nie zu verraten, selbst wenn der Teufel ihm die schönsten Versprechungen macht.
Dass man hier nicht belohnt wird, wenn man menschlich bleibt, doch dass ihn seine Treue hinsichtlich dieser positiven Energie gegenüber denjenigen erhöhen wird, die sich ihm hier momentan noch durch ihre Gewalt erhöhen.
Er mag zwar hier keine Anerkennung erhalten für seine Friedfertigkeit, doch es gibt eine andere Welt, in der nur das Friedfertige zählt. In der er mehr der Held ist als alle Gewalttätigen auf dieser Erde zusammen. Dass ihn diese Welt beobachtet, sich freut, wenn er sich nicht verbiegen lässt, sich nicht verführen lässt. Dass er in Wirklichkeit nicht einsam ist, sondern die Hände dieser positiven Energie in jeder Sekunde seines Lebens auf seinen Schultern liegen, auch wenn er sie momentan nicht fühlen kann.
Dass er noch mehr geliebt wird, als er es sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen kann.
Dass es wirklich Liebe gibt und sie nicht nur ein erfundenes Märchen ist. Dass er, wenn er stark ist und es geschafft hat seine Last hier zu tragen, dafür wieder ein stückweit näher auf dem Weg zu ihr ist. Dass er wissen muss, dass von allem Leid und allem Elend das er hier sieht und spürt nichts übrig bleibt. Dass das was ihm momentane Schmerzen bereitet nicht für immer ist. Dass es eine Zeit geben wird, in der er nicht einmal mehr die Erinnerung daran hat. Dass es im Universum eine Liebe gibt die nur für ihn da ist und die sich genauso nach ihm sehnt wie er sich nach ihr. Dass diese Liebe immer da war, immer da ist und immer da sein wird. Nur für ihn. Dass er für sie stark sein soll. Dass er in den schlimmsten Stunden seines Lebens weiß, dass er nicht alleine ist, es nie war und nie sein wird.
Dass er durchhalten soll, nur für sie und dass als Belohnung, egal was er hier auch immer gemacht und erlebt hat, das Paradies auf ihn wartet.
Das soll er wissen. Bis ans Ende seiner Tage.