Wie sich Egopaare für gewöhnlich finden

Egopaare miteinander zu verbinden, ist in der Regel supereinfach.
Ein Mensch der sich von seinem Ego lenken lässt, also von seinem Unterbewusstsein, stellt nicht wirklich hohe Anforderungen an sein Gegenüber.
Ein paar Äußerlichkeiten müssen eventuell passen, ein paar charakterliche Dinge, auf die man besonders Wert legt, und es flutscht.
Selbstverständlich ist da keine Liebe dabei, von Anfang an nicht, und die wird auch nicht wirklich erwünscht. Um die Illusion perfekt zu machen, wird sie sich herbeigesehnt und letztendlich halten wir uns an den unsinnigsten Gegebenheiten unseres Gegenübers fest und stilisieren Dinge an ihm ins Göttliche, damit wir mit unserer Wahl irgendwie leben können.
Wichtig ist im Endeffekt nur, dass er irgendwie einigermaßen zu einem passt.
Vollkommen x-beliebig austauschbar.
Nirgendwo kann der Mensch so viel Liebe hinzudichten, wie in seine Egobeziehungen.
Jeder Außenstehende sieht natürlich sofort, dass hier das Wichtigste fehlt, doch die Protagonisten merken das nicht.
Halten sich an der Illusion, dass sie doch in Liebe verbunden sind, fest.
Um die Illusion dann noch in der Regel zu vertiefen, werden die obligatorischen zwei Kinder gezeugt, die das vermeintlichen Glück noch ergänzen sollen.
So fristet man dann sein Dasein. Mit einem Partner an der Seite, den man nie wirklich geliebt hat.
Als Letztes würde man sich das eingestehen. Dazu helfen uns solche Gedankengänge wie: "Man kann sich auf ihn verlassen" oder "Ich weiß was ich an ihm habe" oder "Ohne ihn wäre ich ganz alleine" und "Bei allen anderen ist das auch so".
Wahres Glück und Erfüllung zu fordern, käme uns auf diesem Grad der Selbstverleugnung gar nicht erst in den Sinn, sehen und kennen wir es gar nicht anders.
Liebe wird als romantisierte lapidare Gegebenheit belächelt, von der man sich nicht wirklich etwas kaufen, geschweige denn mehr als ein paar Emotionen erwarten kann.
Die anfänglichen Verliebtheitsgefühle werden gemeinhin als "Liebe" betrachtet, von denen, wie ja alle wissen, nach ein paar Tagen, Monaten oder selten Jahre, ohnehin nicht mehr viel übrig ist.
Da man diese Regelung der Natur als nicht Verhandelbar einschätzt, wird so dann auch nicht weiter nach der wahren Liebe gesucht und sich mit seinem Schicksal abgefunden.
Gelegentlich erinnert uns noch ein Spielfilm an die wahre Liebe, ein unbewusster Erinnerungsfetzen aus dem Nirgendwo oder auch mal Musik.
Dieses Gefühl jedoch mit dem Partner an unserer Seite in Verbindung zu bringen, verkneifen wir uns nach einiger Zeit.
Gewohnheiten, Verlässlichkeiten, Charaktereigenschaften die uns Sicherheit bringen, interpretieren wir fälschlicherweise als Liebe.
Mehr erwarten wir nicht vom Leben, als diesen Zustand zu erreichen.
Haben wir ihn, sind wir in der Regel "glücklich" bis zum Schluss.
So war das bei unseren Eltern, Großeltern und unseren Urgroßeltern und so wird es bei unseren Kindern,  Enkeln und Urenkeln sein, die wir fälschlicherweise auch für einen Ausdruck unserer Liebe betrachten.
In Wirklichkeit sind sie lediglich Personen, die uns unsere Einsamkeit etwas nehmen sollen, unsere selbstauferlegte Einsamkeit, nicht so lange nach der wahren Liebe gesucht zu haben, bis wir sie auch tatsächlich gefunden haben.