Der kleine alltägliche Egokampf

Eigentlich gehe ich ungerne aus meinen vier Wänden, denn da draußen wimmelt es nur so vor aufgeblasenen Egos  die ständig und von Neuem auf der Suche danach sind, jedem ihren Schmerz der Spaltung auch so gut es geht mitzuteilen, indem sie versuchen ihr Gegenüber klein zu machen und sich ihnen gegenüber zu erhöhen.
In Grunde geht es im Egokampf immer nur darum, sich besser hinzustellen wie der andere.
Wie schon gesagt, am liebsten bleibe ich deshalb in meinen vier Wänden, doch gerade eben musste ich einkaufen gehen.
Bereits auf meinem Weg dorthin ging der Egokampf los.
Ich sah eine Gruppe von ausländischen Frauen mit Kindern in unterschiedlichem Alter.
Sie gingen erst auf der anderen Seite weit vor mir, doch als ich die Ampel überquerte, holte ich sie an einer roten Fußgängerampel ein.
Gerade bei Menschen aus anderen Kulturkreisen spüre ich den Hang, auch in den kleinsten Kleinigkeiten, zu gewinnen.
Deren Selbsterhöhungskult ist noch um einiges höher, als die der Deutschen.
Damit meine ich die innere Schwingung, die jeder Mensch ausstrahlt.
Wie schon gesagt stehe ich an der Ampel und warte mit der Gruppe, dass es Grün wird.
Selbstverständlich wusste ich, dass ich normalerweise schneller wie sie bin, da sie ein Kleinkind an der Hand hielten, das gerade mal Laufen konnte.
Also war ich auch schnell vor ihnen.
Ich spürte, dass ihnen das nicht passt, wenn ich vor ihnen laufe, dachte aber nicht, dass sie das auch wirklich körperlich ausdrücken würden.
Das taten sie aber.
Plötzlich fingen sie nämlich alle an zu rennen.
Ich habe mich aber nicht umgedreht.
Der älteste Junge aus der Gruppe hat mich dann mit dem Zweitältesten überholt und Kreise vor mir gedreht, so nach dem Motto, ich bin aber schneller.
Ich wusste aber, dass sie das Tempo nicht halten konnten, wegen dem Kleinkind, dass bei dieser Rennaktion wohl jemand auf dem Arm hatte.
Nach kurzer Egoshow, ließ ich sie dann aber wieder hinter mir.
Irgendwie waren sie dann plötzlich überhaupt nicht mehr zu sehen.
Vielleicht bekam jemand aus der Gruppe Kreislaufprobleme.
Als nächstes dann bin ich in einen Supermarkt, in dem die unfreundlichste Verkäuferin aller Zeiten arbeitet.
Diese Frau schafft es nicht "Guten Tag" zu sagen, noch "Danke", noch "5,46 Euro zurück, noch "Auf Wiedersehen". Das Einzige was sie herauskommt ist "Payback?"
Das ist das einzige Wort das sie kann.
Wie so ein Papagei:
"Payback?"...... "Payback?"..... "Payback?"
Heute wollte ich mir ihr Programm einmal nicht geben, sondern ging zu einer Kollegin an eine andere Kasse.
Als ich an der Kasse ankam, stand dort ein deutscher Mann, so um die 75 Jahre alt.
Mit grauen Haaren und Schnauzer, typisch für meine Region.
Er stand da mit einer Stofftasche in der Hand und machte gar nichts. Hatte keine Ware in der Hand und als das Band weiterlief und schon längst leer war für den nächsten Kunden, machte er auch nichts und lief einfach mit dem Band mit und den Waren, die neben ihm lagen.
Für jeden nachfolgenden Kunden also ganz klar, dass die Ware auf dem Band neben dem Mann ihm gehörten.
Hätte jeder so interpretiert.
Also legte ich einen Warentrenner auf das Band und begann meine Ware auf das Band zu legen.
Dann dreht der Mann sich plötzlich zu mir um und sagt zu mir: "Darf ich vielleicht auch noch meine Ware auf das Band legen?" In einem Ton, als ob ich gerade Polen überfallen hätte.
Ich sagte nur zu ihm, ach sie haben ihre Waren noch gar nicht aufgelegt und er sagte, nein, habe ich nicht.
Danach fühlte er sich wie der Gockel. Plusterte sich noch mehr auf, schaute erst recht zu mir nach hinten und tat so, als ob ihm der ganze Laden gehörte.
Ich wartete erst mal ab, bis er bezahlt hatte.
Seine Frau kam dann auch noch hinzu und sie war freundlich zu mir. Dann sagte ich zu ihm: "Beim nächsten Mal einfach die Ware etwas früher auflegen, dann muss man auch seinen Hintermann nicht in so einem Ton auf irgendetwas hinweisen." Seine Antwort:"Dann machen sie halt die Augen auf". Ich: "Wahrscheinlich machen sie das immer so, um den Hintermann dann belehren zu können".
Später fiel mir dann noch ein, dass ich auf seine Aussage, dass ich meine Augen doch aufmachen soll, sagen hätte können: "Ich bin zwar gut, aber durch einen Stoffbeutel kann ich auch noch nicht sehen".
Ich fühlte mich auf jeden Fall gut, dass ich ihm was gesagt hatte.
Sein Verhalten war das typische Egoverhalten. Er machte einen Fehler, indem er aus welchem Grund auch immer, seine Ware nicht auf das Band legte und auch noch so tat, als ob die Ware neben ihm seine wäre.
Mich würde wirklich interessieren, ob er das mit jedem der nach ihm kommt so macht oder ob das nur eine Ausnahme bei mir war.
Seine Reaktion spricht wirklich dafür, dass das seine Masche ist.
Es gibt nämlich Menschen, die machen so etwas mit reiner Absicht, um so ihre Mitmenschen zu erniedrigen und zu drangsalieren.
Die lassen sich extra solche Dinge einfallen.
Wie ein paar Tage zuvor, als ich an einem Haus vorbeilief und exakt auf die Sekunde genau der Hauseigentümer seine zwei Hunde aus der Haustüre ließ, die bellend und zähnefletschend auf mich zurasten und fast über das Tor gesprungen wären.
Vielleicht macht es dem Hundebesitzer Spaß, so die Passanten vor seinem Haus zu erschrecken, denn nach der Attacke wollten die Hund sofort wieder rein und hatten schon gewartet, dass die Haustüre wieder aufging.
Ich habe trotzdem laut "Hundenanny" in Richtung des Hauses geschrien.
Wie schon gesagt, es gibt viele solcher abartigen Wesen die sich überlegen, wie sie ihren Frust über ihre Gespaltenheit am besten bei anderen abladen können.
Wieder zurück von meinem Einkauf fiel mir aber noch etwas Besseres ein, was ich machen hätte können.
Etwas, was kein Ego kalt lässt.
Etwas, womit man wirklich durchkommt.
Ich hätte einfach so tun sollen, als ob er gar nicht da wäre.
Keinen Blick, kein Wort und so tun, als ob mich gar niemand angesprochen hätte.
Dazu gehört allerdings schon eine gewisse innerliche Abgeklärtheit, so zu tun, als ob es
den anderen gar nicht gibt.
Da muss man seine Emotionen schon komplett im Griff haben.
Das muss ganz von innen kommen, dass es auch wirklich den Effekt hat.
Ohne eine einzige Emotion.
Ich habe aber gespürt, dass ich das kann.
Dass ich die Kraft dazu habe.
Beim nächsten Mal also, wenn mir so etwas passiert, reagiere ich so, wie es mein Gegenüber verdient hat.
Ich behandle ihn wie einen Toten, der er auch ist.
Diese Spiegelung kann kein Ego ignorieren.