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Die Tragik unserer deutschen Justiz

Da wird ein Mensch durch Gewalt getötet und die zwei Gewaltverbrecher kommen beide mit Bewährung davon.
Das ist unsere Justiz.
Als Begründung gibt der Richter an:
„Die Fahrlässigkeit lag im unteren Bereich.“ Es war vielmehr eine Verkettung unglücklicher Umstände, dass sich ausgerechnet an jenem frühen Septembermorgen ein Auto fand, das Giuseppe Marcone erfasste. „Wenn er etwas anders gelaufen wäre“, so der Richter, „etwas langsamer, etwas schräger, es wäre nichts passiert.“

NEIN, Herr Richter, es war keine Verkettung unglücklicher Umstände, die zu dem Tod dieses jungen Mannes geführt haben, es war gelebte Gewalt von zwei Menschen, die zu dem Tode dieses jungen Mannes geführt haben.
"Verkettung unglücklicher Umstände" kann man es nenne, wenn der Mann einfach so vor das Auto gelaufen wäre, weil er nicht aufgepasst hat.
DAS wäre eine "Verkettung unglücklicher Umstände" gewesen.
HIER war es aber keine "Verkettung unglücklicher Umstände", sondern dieser junge Mann starb durch die Gewaltaktion von zwei anderen Männern. Diese zwei anderen Männer haben ihn, durch ihre Gewaltaktion erst dazu gebracht, so schnell unterwegs zu sein und deshalb das heranfahrende Auto nicht zu sehen.
Hätten diese zwei jungen Männer keine Gewalt gegen andere Menschen angewandt, würde dieser Mann heute noch leben.
Es war die Gewalt dieser beiden Männer die ihn in den Tod trieb und keine "Verkettung unglücklicher Umstände".
Deshalb sind sie alleine für den Tod dieses Mannes verantwortlich und niemand sonst.
Keine "Verkettung unglücklicher Umstände" oder "Das schlechte Wetter" oder die "Unachtsamkeit des Opfers".
Erst durch die Gewaltaktion dieser beiden Männer kam es zu dem Unglück. Diese beiden Männer waren der Auslöser für den Tod des jungen Mannes. Gäbe es die Gewaltaktion diese beiden Männer nicht, würde der junge Mann noch leben.
Von daher ist es eine Verhöhnung des Opfers, hier von "Verkettung unglücklicher Umstände" zu reden.
Die Gewalt, durch die dieser Mann sein Leben verlor, wird nicht mehr für dessen Tod verantwortlich gemacht, sondern die "Verkettung unglücklicher Umstände".
Wer SO gegen die Gewalt in unserem Lande vorgeht, bei dem ist es auch kein Wunder, dass dieser junge Mann überhaupt sterben musste.
Würde dieses Land konsequent gegen Gewaltverbrecher vorgehen, hätte man das Leben dieses Mannes retten können.
Dann würde es nämlich überhaupt keine Männer geben in unseren U-Bahnen, die ohne jegliche Hemmungen ihre Gewalt an anderen ausleben würden.
Dann würden sie bereits im Vorfeld ihre Gewalt zügeln, weil sie Angst vor ihrer Bestrafung hätten.
Dazu ist eine Justiz eigentlich da, nämlich im Vorfeld durch ordentliche Gerichtsurteile solche Straftaten zu vereiteln.
Wenn man natürlich die Gewalt nicht mehr bei den Hörnern packt, sondern sie ignoriert, dann muss man sich auch nicht weiter wundern, dass die Gewalt in diesem Lande immer weiter zunimmt und es letztendlich immer öfter zum Tode von unschuldigen friedfertigen Menschen führen wird, ohne die Verkettung unglücklicher Umstände. 


Die Tragik des Giuseppe Marcone


Beide Angeklagten seien an der Tragödie schuld, urteilte der Vorsitzende Richter Ralph Ehestädt am Donnerstag vor dem Landgericht: „Der eine mehr, der andere weniger.“ Der eine, Ali T., verfolgte den 23-jährigen Koch Giuseppe Marcone am 17. September 2011 vom U-Bahnhof Kaiserdamm auf die Straße. Der Flüchtende rannte auf den zehnspurigen Fahrdamm, wurde von einem Auto erfasst und starb. Die Tat des 21-jährigen T. war Körperverletzung mit Todesfolge, so die Richter. Dennoch belassen sie es bei zwei Jahren Haft zur Bewährung. Der gedrungene, bärtige Mann türkischer Herkunft muss 600 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er bekommt einen Bewährungshelfer.

Der andere, Baris B., beteiligte sich zwar an den vorangegangenen Schlägen, jedoch nicht an der Verfolgung. Die Richter verhängten gegen den 22-Jährigen eine viermonatige Bewährungsstrafe. Er muss 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

Von der „Tragik des Giuseppe Marcone“ sprach Ehestädt in der Urteilsbegründung: Wenige Stunden vor seinem Tod habe das Opfer noch mit seinen Freunden beratschlagt, was bei einem Angriff in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun sei. Alle waren sich darüber einig, dass es am besten sei, dem aus dem Weg zu gehen, hatte Marcones Freund Raoul S. berichtet.

Um 4.35 Uhr war es so weit: Die beiden Freunde trafen auf zwei Betrunkene, die nach Zigaretten fragten. Als sie diese nicht sofort erhielten, zog Ali T. mit den Worten: „Ich ficke dich im Einzelkampf“ demonstrativ die Jacke aus. Baris B. schlug Marcone, Ali T. tat es ihm gleich. Ihr Opfer und dessen Freund schlugen zurück, taten dann aber das, worüber sie gesprochen hatten: Sie traten den Rückweg an. Am Ende war Giuseppe tot.
Auf einen minderschweren Fall erkannte die Kammer, weil beide Täter noch am selben Tag geständig waren und Wochen beziehungsweise Monate in U-Haft verbrachten. Auch die Attacke eines Mithäftlings, die Ali T. für eine Woche ins Haftkrankenhaus brachte, wurde angerechnet.
Am meisten profitierte T. von der Ansicht der Richter, er habe Marcones Fluchtverhalten nicht vorhersehen können: „Die Fahrlässigkeit lag im unteren Bereich.“ Es war vielmehr eine Verkettung unglücklicher Umstände, dass sich ausgerechnet an jenem frühen Septembermorgen ein Auto fand, das Giuseppe Marcone erfasste. „Wenn er etwas anders gelaufen wäre“, so der Richter, „etwas langsamer, etwas schräger, es wäre nichts passiert.“
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