In aller Seelenruhe

Nachdem ich gestern so einen tollen Text geschrieben habe, ging es heute gleich mal richtig zur Sache.
Ich beschloss, einen Rahmen in der Größe ändern zu lassen, wozu ich mit der Bahn in die Stadt fahren musste.
Als Erstes einmal verharrte ich auf meiner Gangtreppe, weil ich mir überlegte, noch einen Rahmen mitzunehmen, um den mitändern zu lassen und zwar genau so lange, dass ich eine viertelminute zu spät dran war, um die S-Bahn zu erwischen, auf deutsch, sie fuhr mir vor der Nase davon.
Ich, an meinen Text von gestern erinnernd, dachte gar nicht mal im Traum daran, auch nur etwas schneller dafür zu laufen.
Genüßlich setzte ich mich an den Bahnsteig und wartete in Seelenruhe.
An dem Geschäft bei dem ich den Rahmen ändern wollte angekommen, stelle ich fest, dass der nette Mann, der mir das immer umsonst gemacht hat, nun dort weg war, doch die Verkäuferin im Geschäft gab mir die neue Adresse, da er sich jetzt selbstständig gemacht hatte.
Dort angekommen, war er erstmal nicht da und so nahm seine Kollegin alles für die Veränderung am Rahmen auf.
Gerade am Weggehen, kam er noch ins Geschäft um festzustellen, dass er leider nicht an eine Schreinerei mit angeschlossen ist und somit das Ändern nicht mehr geht.
Also ging ich wieder zurück, in der Gluthitze durch die halbe Innenstadt in das alte Geschäft und dort sagte man mir, dass der Stundenlohn der Rahmenveränderinnen bei ca. 70 Euro liegt, das mindestens 2 Stunden dauern wird und ich locker mit 150 Euro dabei sein kann, genau wusste er es jedoch nicht und einen Kostenvoranschlag wollte er mir auch nicht machen.
Mehr wie 20-30 Euro wollte ich eigentlich wenn, dann nicht ausgeben, was ich ihm auch sagte, er mir aber signalisierte, dass es so günstig bestimmt nicht werden würde.
Ich sagte ihm, dass das Ändern des Rahmens mehr kostet, wie das Bild, das ich da reinsetzen will und war doch etwas angesäuert, dass aus einem Plan, nämlich nichts zu zahlen, plötzlich mehr als 100 Euro werden sollten, insbesondere da die Änderung dort im Geschäft bei den anderen Rahmen auch mal kostenlos ging.

Ich beschloss also, den Rahmen erst mal wieder mitzunehmen. Eine halbe Stunde später ging ich dann wieder hin, weil ich das Bild, erstens nicht so lange mit in der Stadt rumschleppen wollte und zweitens mir ja fast nichts anderes übrig blieb. Er sollte jedoch noch nichts an dem Bild ändern, bevor ich nicht den Kostenvoranschlag von ihm erfahren habe.
Daraufhin ging ich etwas angesäuert in einen Naturkostladen, um mich mit einem Rice-Ice wieder etwas runterzuholen. Das Eis war auch eines der Gründe, warum ich überhaupt in die Stadt gefahren bin.
Meine Vorfreude war dementsprechend und ich wusste, es würde mich etwas aufmuntern und trösten.
Dort angekommen öffnete ich die Eistruhe und musste mit Entsetzen feststellen, dass kein einziges meines einzigen veganen Schokoeises, das ich überhaupt kaufen konnte, da war.
Ich eilte durch den Laden zu den Verkäuferinnen die mir sagten, dass das Eis wieder ausgelistet worden sei.
Na Servus!
Daraufhin beschloss ich, nun dort wenigstens etwas Kleines zu essen. Ich kaufte eine Paprikasojascheibenwurst und was mir wichtig war, ich wollte kein hartes Brötchen dazu. An der Theke dort angekommen, fragte ich die Verkäuferin nach einem Brötchen, dass sie mir empfehlen kann und sie sagte mir das Kürbiskörnbrötchen ist ihr Favorit.
Leider vergaß ich zu erwähnen, dass ich etwas Weiches will.
Es war das härteste Brötchen, das ich jemals gegessen habe, ich konnte es gar nicht aufessen und das soll bei mir schon was heißen.
Nun schon lachend, weil wirklich nichts so lief, wie ich es gerne wollte, sagte ich schon: "Ich bin mal gespannt, was ihr sonst noch so auf Lager habt, um mich aus meiner Ruhe zu bringen".
Als Trost, dass es mein Eis nicht gegeben hatte, beschloss ich, einen weißen Nougatriegel zu kaufen, der mir auch noch sehr gut schmeckte.
Am Regal angekommen musste ich feststellen, dass genau der fehlte.
In meiner letzten Not griff ich zu meiner alt bekannten "Noir" Schokolade und fragte aber vorher den Verkäufer, ob ich sehen kann, ob sie so einen weißen Schlierfilm drauf hat, das bekommen Schokoladen manchmal im Sommer, und wenn sie die drauf hat, dass ich die dann nicht kaufe, weil sie mir dann nicht schmeckt.
Der Verkäufer sagte, dass das nun wirklich nicht geht, doch in seiner Not, fragte er die Marktleiterin, die mir wirklich die Schokolade aufreißen ließ und sie hatte tatsächlich den weißen Schlierfilm drauf.
Sie sagte, sie kann mich nun leider nicht alle Tafel aufreißen lassen und ich zeigte Verständnis.
Nun, ganz süßlos beschloss ich, noch in ein anderes Bildergeschäft zu gehen, um mir dort die Gemälde anzusehen.
Als ich dort ankam sah ich, dass sie umgebaut hatten und meine geliebte Klappwand, wo man die Bilder so schön ansehen konnte, komplett weg war.
Die Besitzerin und ich fanden trotzdem noch ein paar, die mir sehr gut gefallen hatten und wir unterhielten uns sehr lange und ausgiebig über die Künstler und das es von dem Stil den ich will, heutzutage immer weniger gibt.
Plötzlich sah ich, dass sie auch solche Rahmen wie meinen anbot und da fragte ich sie, ob es ein großer Aufwand ist, so einen Rahmen zu ändern. Sie verneinte und sagte, dass das gar kein Problem sei und es so an die 20-30 Euro kostet.
Ich fragte sie daraufhin, ob ich ihr meinen Rahmen auch gleich vorbeibringen könnte, doch es war genau 15 Uhr und der Laden schloss genau um 15 Uhr.
Ich sagte, dass ich in ca. 10 Minuten wieder da bin und sie sagte, sie wartet auf mich.
Ich also in der Gluthitze wieder durch die halbe Innenstadt in das andere Geschäft, dort das Bild wieder abgeholt und in das andere verfrachtet.
Meine Glückssträhne nahm wieder Fahrt auf.
Daraufhin gönnte ich mir das erste Mal eine Kugel veganes Eis für 1 Euro, wird höchstwahrscheinlich eine Ausnahme bleiben in diesem Leben, da ich mit 12,5 Cent pro Kugel aufgewachsen bin.
Ich schwelgte den Straßenmusikern, die heute an jeder Ecke spielten, da heute Bardentreffen in der Stadt war und wartete, bis ich den ersten Blitz am Himmel sah.
Der Platzregen störte mich überhaupt nicht, denn ich hatte einen Schirm dabei.
Während alle anderen Unterschlupf suchten, wattete ich durch die Regenpfützen mit meinen wunderbaren offenen Schuhen und meiner kurzen Hose und die einzige Seelenruhige die dort in der Innenstadt jetzt noch spazierte war ich.