"Nach der Beschneidung gestorben"

Erstmals steht in Ägypten ein Arzt wegen des Todes einer 13-Jährigen vor Gericht. Das Mädchen war bei der Entferung ihrer Klitoris gestorben.
Staubige Straßen, Häuser aus roten Ziegeln: Diayrb Bektaris ist ein Dorf wie tausend andere in Ägypten und auch die Familie al-Bata’a unterscheidet sich kaum von der Mehrheit der Ägypter. Das gleiche gilt für Raslan Fadl, der im Dorf eine Arztpraxis betreibt. Er ist ein angesehener Mann. Deswegen versteht in Diayarb Bektaris auch kaum jemand, warum der Arzt und das Familienoberhaupt der al-Bata’a jetzt vor Gericht stehen; noch dazu wegen Totschlags und Genitalverstümmelung.
Es geht um den Tod der 13-jährigen Sohair al-Bata’a. Sie starb vor einem Jahr, nachdem Doktor Raslan ihr die Klitoris entfernt hatte. In Ägypten ein Routineeingriff und vor allem in den armen Dörfern auf dem Land verzichtet kaum eine Familie darauf, ihre Töchter beschneiden zu lassen. Staatlichen Statistiken zu Folge sind in Ägypten 81 Prozent der zwischen 15- und 19-jährigen Frauen beschnitten. Die Beschneidung, eine Tradition, die auch in anderen Ländern Afrikas verbreitet ist, gilt als Voraussetzung, ein Mädchen zu verheiraten.

Schwere psychische Schäden

Die Klitoris häufig als schmutziges Körperteil bezeichnet und weibliche Lust als Gefahr für den Frieden in der Gesellschaft angesehen. Allerdings besteht auch kein Zweifel daran, dass die Genitalverstümmelung bei Mädchen schwere psychische Schäden verursacht. Zudem sterben jedes Jahr dutzende Mädchen an der Operation. Frauenaktivistinnen kämpfen daher seit mehr als einer Generation gegen die Beschneidung.
Mit Aufklärungskampagnen wandten sie sich an die Bevölkerung, überzeugten schließlich sowohl christliche als auch islamische Würdenträger, die Kampagne zu unterstützen. 2008 wurde dann ein Gesetz erlassen, das Beschneidung unter Strafe stellt. Sowohl Ärzte, die solche Operationen durchführen, als auch die Eltern der Beschnittenen drohen Strafen: Drei Monate bis fünf Jahre Gefängnis und Geldbußen bis 500 Euro.
„Mit diesem Gesetz hofften wir den Trend zu brechen, aber das Problem ist die Überführung der Täter“, so Mona Amin vom Nationalen Bevölkerungsrat. Die Operationen erfolgen im Verborgenen und keiner der Beteiligten, bringt sie zur Anzeige. Deswegen sorgt das Verfahren gegen Doktor Raslan und al-Bata’a für so großes Aufsehen. Es ist eine Premiere. Es geht auf eine Anzeige von Mohammed al-Bata’a zurück, der den Arzt für den Tod seiner Tochter verantwortlich machte. Sie starb an einem Allergieschock, weil sie das Antibiotika, das ihr nach der Beschneidung verabreicht wurde, nicht vertrug.
Als al-Bata’a allerdings klar wurde, dass auch ihm eine Strafe drohte, veränderte er seine Aussage. Fortan hieß es, es habe keine Beschneidung gegeben. Sohair habe vielmehr wegen überschüssiger Hautbildung im Genitalbereich operiert werden müssen. Auch die anderen Dorfbewohner halten zu Doktor Raslan. Nur Sohairs Großmutter bleibt bis jetzt dabei, ihre Enkelin sei beschnitten worden. Ob Ihre Aussage allerdings reicht, um die beiden Angeklagten zu verurteilen?
Die Stimmen von Frauen haben in den armen Dörfern am Nil noch nie besonders viel gezählt. Am 10. Juli soll der Prozess fortgesetzt werden. 



Mädchenbeschneidung – grausiges Erbe des Propheten Mohammed

Jedes Jahr werden immer noch etwa drei Millionen Mädchen beschnitten und es werden eher mehr als weniger. Weltweit leben mehr als 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden. Achtung, dieser Text ist nichts für sensible Naturen – aber wir halten es trotzdem für wichtig, dass auch solche Themen offen angesprochen werden.

Bei der weiblichen Genitalverstümmelung handelt es sich um Eingriffe an den äußeren weiblichen Genitalien: Fast ausnahmslos wird die Klitoris zum Teil oder vollständig amputiert (Klitoridektomie). Bei der Exzision werden über eine teilweise oder vollständige Entfernung der Klitoris hinaus auch die inneren Labien (Schamlippen) teilweise oder vollständig herausgeschnitten. Es kommt vor, dass zusätzlich Haut und Gewebe aus der Vagina ausgeschabt werden (Introcision). In etwa 15 Prozent aller Fälle werden außerdem die äußeren Labien teilamputiert und über der Vagina so miteinander vernäht, dass lediglich eine reiskorngroße Öffnung für Urin und Menstruationsblut verbleibt (Infibulation). Immer wieder wird betont, dass die weibliche Genitalverstümmelung bei Moslems, Christen, Juden und Animisten vorwiegend in bestimmten Kulturkreisen vorgenommen wird. Tatsächlich aber finden sexuelle Verstümmelungen von Frauen hauptsächich in moslemischen Gesellschaften statt (im Sudan z. B. sind 85% der dortigen moslemischen Frauen beschnitten). Laut Oriana Fallaci (“Kraft der Vernunft”) wird weibliche Genitalverstümmelung in 28 Ländern des islamischen Afrika praktiziert, außerdem im Süden der arabischen Halbinsel, Irak und in Teilen Asiens (Indonesien, Malaysia). Einen Zwang für die Frauenbeschneidung gibt es laut Auskunft der sogenannten gemäßigten Moslems im Islam nicht. Aber durch die unmögliche gesellschaftliche Dynamik, die in moslemischen Ländern und Kulturen herrscht, wird diese gefördert. Die Opfer, selbst als Kinder beschnitten, werden haufig zu Täterinnen, indem Sie als Erwachsene anderen Frauen die Schamlippen wegschneiden. (…) Trotz Kampagnen gegen diese Praxis, die zugegebenermassen auch von Imamen mitgetragen werden, finden heute (2004) noch immer täglich 6000 dieser Eingriffe statt.
“Beschneidung bemisst den Wert des Mädchens”
Der Geschlechtsverkehr ist für eine klitorisbeschnittene Frau sehr schmerzhaft. Sie soll nicht fremdgehen, keine Initiative ergreifen und schon gar nicht anderen bereits verheirateten Frauen den Ehemann oder dessen Liebe wegnehmen. Es sei erwähnt, dass für eine beschnittene Frauen eine Geburt lebensgefährlich wird, und ausserdem wesentlich schmerzvoller als unbeschnitten. Das Ganze hat durch einen Hadith über den Prophet Mohammed auch eine religiöse Dimension: “Er sagt, dass der Prophet in Mekka eine Frau traf, die die Frauenbeschneidung praktizierte. Er liess sie gewähren.” Prophet Mohammed sagt: „Die Beschneidung von Mädchen bemisst den Wert des Mädchens.“ Wieder andere berufen sich auf die Worte des Propheten zur Frauenbeschneiderin Umm´Atiyya: „Beschneide die Mädchen, aber übertreibe nicht, da diese Art der Beschneidung von den Ehemännern am meisten gewünscht ist und das Gesicht der Frau auf bestmögliche Art und Weise strahlen läßt.“
Ärzte, die den islamischen Standpunkt unterstützen, berufen sich bei der Mädchenbeschneidung auch auf diesen religiösen Kommentar. Dr. Ahmed Suleiman von der Universität in Kairo: „Mädchenbeschneidung führt zu Sittsamkeit, Ehrgefühl und emotionalem Gleichgewicht.” Dr. Muhammad Abu Leila, Experte des islamischen Rechts, Dozent für islamische Forschung and der Al-Azhar Universität und Dr. Ahmed Yousuf Suleiman, Dozent für islamisches Recht an der Universität in Kairo: „Der Prophet Mohammed beteuerte diesen Brauch und wir haben ihn als Moslems tausend Jahre später geerbt. Der Prophet setzte einige menschliche und wissenschaftliche Bedingungen, damit die Beschneidung bei Frauen durchgeführt werden darf. Die Würde der Frau darf nicht angegriffen werden, damit der Ehemann nicht erschöpft ist, nachdem er Geschlechtsverkehr mit seiner Frau hatte.” Dr. Ahmed Abd Al- Rahman, islamischer Schriftsteller: „Wenn Mädchen nicht beschnitten werden, werden Verworfenheit und Prostitution verbreitet werden, wie es im Westen schon passiert ist als Ergebnis vom Ignorieren dieses normalen, menschlichen Bedürfnisses. Wollen wir so sein wie der Westen? Die Werbung gegen Mädchenbeschneidung , die in diesen Tagen im Fernsehen verbreitet wird, ist abzulehnen, da sie im Widerspruch zum islamischen Gesetz steht. … Ihre Absicht ist es, die muslimische Familie zu zerstören und die ägyptische Gesellschaft zu entwürdigen.“ Es ist schon verblüffend, dass sich ausgerechnet eine intolerante islamische Kultur herausnimmt, Toleranz für barbarische Sitten und Gebräuche zu fordern. In Sure 4, Vers 34 heißt es: “Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch daraufhin wieder gehorchen, dann unternehmt weiter nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.” (Quelle: Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses).
Mädchen schreien entsetzlich
Und so läuft eine Beschneidung ab: Die Klitorisbeschneidung, viel älter als der Islam, läßt sich auch nicht religiös rechtfertigen. Mohammed, der weder seine Frauen noch seine Töchter beschneiden ließ, soll zu einer Beschneiderin gesagt haben: „Wenn du diese Operation ausführst, entferne nicht den ganzen Kitzler … Die Frau soll Befriedigung erleben, von der ja auch ihr Mann profitiert.“ Eine Ahnung der auch multikulturell nicht zu rechtfertigenden Brutalität dieser Verstümmelung vermittelt die Schilderung einer somalischen Beschneidungszeremonie durch Marielouise Janssen-Jurreit (nach Jacques Lantier, ‘La Cité Magique en Afrique Noire’): “Die Beschneidung wird von der Mutter und deren weiblichen Verwandten vorgenommen. Der Vater des jungen Mädchens muß draußen als symbolischer Wächter vor der Tür stehen bleiben. Das junge Mädchen sitzt auf einem kaum gereinigten Stuhl, und mehrere Frauen halten es fest. Dann blättert eine der alten Frauen die Schamlippen auseinander und befestigt sie seitlich mit Dornen, um die Klitoris völlig freizulegen. Mit einem Küchenmesser schneidet sie das Haupt der Klitoris ab und beginnt sie dann herauszuschneiden. Während einer der Frauen das Blut fortwährend fortwischt, gräbt die Mutter mit dem Finger unter die eingeschnittene Klitoris, um das Organ herauszulösen. Das Mädchen schreit entsetzlich, ohne daß ihren Schmerzen geringste Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn die Mutter die Klitoris herausgerissen hat, geht sie daran, die Reste bis zum Knochen wegzuschneiden und die umliegenden Teile der Schamlippen zu entfernen. Dann wühlt sie mit dem Finger in der blutenden Wunde. Die anderen Teilnehmerinnen der Operation befühlen ebenfalls das blutende Loch, um festzustellen, daß alles Gewebe entfernt und nichts übriggeblieben ist. Da das kleine Mädchen wirr zappelt vor Schmerz, wird bei der Operation öfter das Rectum verletzt oder auch die Harnröhre angeschnitten. Nun folgt der zweite Teil der Tortur, bei dem die Mutter die inneren Schamlippen total wegschneidet und Fleisch und Haut von den großen Schamlippen wegkratzt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Mädchen schon mehrere Male ohnmächtig geworden und wird mit einem Pulver wiederbelebt. Die Nachbarinnen begutachten sorgfältig die Arbeit der Mutter und spornen sie an. Manchmal beißt sich das Mädchen in rasenden Schmerzen die Zunge ab. Deswegen beobachtet eine Frau sorgfältig die Mundpartie des Kindes. Wenn die Zunge herauskommt, streut sie Pfeffer darauf, was ein sofortiges Zurückziehen der Zunge bewirkt. Wenn die Operation vorbei ist, heftet die Mutter die beiden Seiten der Vulva zusammen, wozu sie Akaziendornen verwendet. Ihr Hauptziel ist es, eine so winzige Öffnung herzustellen, daß gerade der Austritt von Urin und Menstruationsblut möglich ist. Je kleiner das künstliche Loch ist, desto größer der Wert der Frau.”
Wie sagt doch Michael Muhammad Abduh Pfaff, Vorsitzender der Deutschen Muslim Liga:” Unser Glaube steht für Frieden und Toleranz, für den Schutz der Rechte der Frau…”
» “Wüstenblume” von Waris Dirie. Auszüge: S. 68-69 / 70-71 / 72-73 / 74-75 / 76 (wir entschuldigen die schlechte Qualität).

Hintergrund-Infos

Jeder Moslem muss sich laut islamischen Glaubensbekenntnisses einer Beschneidung seines männlichen Geschlechts unterziehen. Hierbei wird die Vorhaut des männlichen Geschlechts abgetrennt. Die Beschneidung ist der erste symbolische Schritt eines Jungen auf dem Weg zur Männlichkeit. Warum schreibt aber der Islam denn die Bescheidung vor? Die Beschneidung wird nicht explizit im Koran erwähnt. Auch wenn im Koran die Beschneidung nicht ausdrücklich befohlen wird, gilt jedoch neben dem Koran auch die Hadith. In der Hadith sind die Worte und Handlungen der Propheten aufgeführt. Die Propheten gelten als Allahs Gesandte. Der Brauch der Beschneidung beruht auf den letzten Propheten Abraham zurück. Nach Überlieferungen zufolge hat Abraham als erster Mensch im Alter von 80 Jahren sich selbst beschnitten. Auch einer Überlieferung zufolge kamen viele Propheten beschnitten auf die Welt. Hierzu gehören unter anderem die Propheten Mohammed, Moses und Adam.
Der Begriff „Sünnet“ oder „Sunna“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „belebter oder betriebsamer Weg“. Im Islam bedeutet Sunna im übertragenen Sinne die Befolgung und Nachahmung des Propheten Mohammed, sozusagen der ideale und wahre Weg, den ein gläubiger Moslem gehen sollte. In seiner weiteren Bedeutung ist unter „Sunna“ auch das gute und schlechte Verhalten eines Menschen zu verstehen, das er im Laufe seiner alltäglichen Lebensweise aufzeigt.

http://www.brauchwiki.de/Die_Beschneidung_im_Islam