"Homo, Jud und Christ"

Islam und Judenfeindlichkeit: was wir aus einer empirischen Berliner Fundamentalismus- Studie für Österreich und für die Zukunft lernen können.
 (Die Presse)
Eine empirische Studie des Wissenschaftszentrums Berlin stellte vor Kurzem fest, dass 55 Prozent der österreichischen Muslime fundamentalistisch eingestellt sind. Bei diesen Menschen handelt es sich jedoch nicht um besonders fromme Quietisten, sondern um handfeste Judenfeinde: So sind 79 Prozent der Muslime der Meinung, dass man Juden nicht trauen kann, und 69 Prozent lehnen Homosexuelle ab. Im Vergleich dazu sind neun Prozent der Christen Antisemiten, und 13 Prozent sprechen sich gegen Homosexuelle aus (www.wzb.eu).
Diese Untersuchung wurde in sechs europäischen Ländern durchgeführt (Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Schweden) und stellt erstmals eine solide wissenschaftliche Basis zur Beantwortung der Frage des religiösen Fundamentalismus und der Fremdenfeindlichkeit bei Christen und Muslimen in Europa dar.
Die negativen Einstellungen gehen Hand in Hand mit anderen fundamentalistischen Dogmen: 73 Prozent der Muslime stellen die göttlichen Gesetze über die staatlichen, und 60 Prozent fordern eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islam. Bei den befragten Christen sind es 13 Prozent, die die Regeln der Religion über die staatliche Souveränität stellen, immerhin 20 Prozent votieren ebenfalls für eine Rückbesinnung auf ihre Religion.
Die Umfragewerte für Österreich sind deshalb hochinteressant, weil sie einem Mythos der Integrationsforschung widersprechen: Religiöser Fundamentalismus sei die Reaktion auf Nicht-Anerkennung und Ausgrenzung. Obwohl der Islam – im Gegensatz zu Deutschland – in Österreich als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist, sind „nur“ 30 Prozent der Muslime inDeutschland Fundamentalisten; europaweit liegt ihre Zahl bei 44 Prozent. Mit diesen negativen Einstellungen gegenüber ihrer nicht muslimischen Umwelt verbindet sich bei Muslimen ein Opfermythos: 45 Prozent sind überzeugt, dass der Westen den Islam zerstören möchte. Nur 23 Prozent der europäischenChristen sehen im Islam eine entsprechende Gefahr. Diese Zahlen belegen, dass der islamische Fundamentalismus mitnichten ein Randphänomen in den europäischen Gesellschaften ist. Bei den jüngeren Generationen sind diese fundamentalistischen Einstellungen nicht geringer, sondern übertreffen die ihrer Eltern und Großeltern.
Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen untersuchte bei einer Befragung von 44.000 Schülern mit Migrationshintergrund in den Jahren 2007/ 2008 die Zusammenhänge von Religion, Integration und Kriminalität. Im Vergleich mit anderen Religionsgemeinschaften schneidendie Muslime hinsichtlich der sprachlichen, schulischen, sozialen Integration und hinsichtlich der Identifizierung mit Deutschland wesentlich schlechter ab als andere ethnische und religiöse Minderheiten.

Je jünger, umso fundamentalistischer

Interessant ist auch der Vergleich von christlichen und muslimischen Jugendlichen aus dem früheren Jugoslawien: Die christlichen Schüler sind doppelt so gut integriert wie die muslimischen. Insbesondere bei der Einstellung gegenüber Gewalt gibt es einen signifikanten Unterschied: Je christlicher ein Schüler ist, umso niedriger ist seine Gewaltbereitschaft. Bei muslimischen Schülern gilt umgekehrt: Je stärker die religiöse Bindung ist, desto niedriger ist der Grad der Integration und desto höher die Gewaltbereitschaft.
Die Dämonisierung anderer Religionen ist ein integraler Bestandteil des Islam, die sich im Koran und in der gesamten religiösen Tradition findet. Insbesondere zeigt sich unverhohlen ein extremer Antijudaismus. Der Koran ist durchsetzt von judenfeindlichen Stereotypen: Die Juden haben verhärtete und beschnittene Herzen, sie haben Gottes Bund gebrochen, die Propheten getötet, sie lügen und haben Gottes Wort verfälscht, sie sind vertragsbrüchig, nehmen Wucher, rauben Geld, und sie glauben nicht an das Jenseits. Im Koran gibt es nur negative Charakterisierungen der Juden, er porträtiert sie nicht nur als Kriegstreiber, die für jegliche Missetaten auf Erden verantwortlich sind, sondern verflucht sie als „Affen und Schweine“ und weist ihnen somit den niedrigsten Rang zu: „Und gewiss habt ihr diejenigen unter euch gekannt, die das Sabbath-Gebot brachen. Da sprachen wir zu ihnen: ,Werdet ausgestoßene Affen!‘“ (Sure 2:65)
Weil die Juden Allah nicht anerkannt haben, wurden sie entmenschlicht und gleichsam zu Tieren degradiert: „Es sind jene, die Allah verflucht hat und denen Er zürnt und aus denen Er Affen, Schweine und Götzendiener gemacht hat.“ (Sure 5:60) Dieses Motiv findet sich immer wieder: „Und als sie trotzig bei dem verharrten, was ihnen verboten worden war, da sprachen Wir zu ihnen: ,Werdet denn verächtliche Affen!‘“ (Sure 7:166)
Die Endzeitprophetie des Islam kennt natürlich die Vernichtung der Juden; der entsprechende Hadith, das heißt eine verbindliche religiöse Überlieferung, lautet: „In der letzten Stunde werden Muslime gegen Juden kämpfen. Da die Juden ein Bestandteil der Armee des Dajjal (Satan) sind und Muslime die Soldaten des Propheten Jesus, werden sie gegeneinander kämpfen, und die Muslime werden siegreich sein, bis selbst ein Stein oder ein Baum sagen wird: Komm her, Muslim, hinter mir versteckt sich ein Jude, töte ihn.“
In der Auseinandersetzung des Islam mit dem Christentum stehen vor allem die Trinitätslehre und die Göttlichkeit Jesu im Mittelpunkt. Diese zentralen theologischen Positionen des Christentums werden als Verfälschungen der ursprünglichen Offenbarung zurückgewiesen. Der Islam ist gegenüber dem Christentum nicht viel weniger intolerant als gegenüber dem Judentum. Auch den Christen drohen – wie allen Ungläubigen – die schlimmsten Strafen: Vernichtung durch Feuer, siedendes Wasser, Verbrennen. Nur die Konversion kann die verlorenen Seelen retten.
Im Verhältnis zwischen Muslimen und Ungläubigen ist der Djihhad, die friedliche wie auch gewaltsame Eroberung der nicht muslimischen Welt, das zentrale Problem, das mit dem Zusammenbruch der traditionellen Ordnungen im Islam nicht verschwunden ist. In der Moderne durchläuft der Islam keine dem Christentum oder dem Judentum vergleichbare Modernisierung – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Islamische Bewegungen, die den Islam mit der Moderne versöhnen wollten, konnten sich nicht durchsetzen. Die gescheiterte Modernisierung der meisten islamischen Gesellschaften und Staaten im späten 19. und im 20. Jahrhundert erzeugte jedoch eine partielle Radikalisierung religiöser Kräfte. Die radikalen Avantgarden forderten die Rückkehr zum wahren Islam und formten einen modernen totalitären Islam. Sie konnten sich immer mehr Gehör verschaffen und zunehmend politischen Einfluss nehmen. Sie orientierten sich nicht mehr an überkommenen Konzepten, sondern sahen im europäischen Totalitarismus beziehungsweise den politischen Religionen organisatorische und politische Vorbilder: Die säkularen politischen Religionen des 20. Jahrhunderts können als Symptome einer tief greifenden kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Krise charakterisiert werden. Ihre politischen Utopien sind gleichsam als Verweltlichung religiöser Endzeitvorstellungen zu lesen.
Anders ausgedrückt: Im Kontext der europäischen Totalitarismen wird die transzendente Erlösung zum irdischen Heil umgedeutet und als Massenwahn (Hermann Broch) exekutiert. In ihrem Kampf gegen die Moderne verbündeten sich die radikalen religiösen Kräfte mit der antimodernen totalitären Avantgarde Europas. Diese fundamentalistischen Kräfte schufen eine Symbiose von Totalitarismus und Islam.
Der radikale Islamismus sieht in der Vernichtung des Judentums seine welthistorische Aufgabe – die Erlösung der Menschheit. Diese Übereinstimmung zwischen nationalsozialistischen und islamistischen Vernichtungsfantasien ist kein Zufall. Entsprechende Gemeinsamkeiten mit dem europäischen – insbesondere dem nationalsozialistischen – Antisemitismus finden sich bei den Muslimbrüdern und deren Nachfolgeorganisationen. Die Juden werden für die Französische Revolution, für die Oktoberrevolution sowie für den Ausbruch des Ersten und Zweiten Weltkrieges verantwortlich gemacht. Den Juden wird unterstellt, dass sie die Weltherrschaft anstrebten, dass die Vereinigten Staaten von Amerika von jüdischen Interessen gelenkt würden und die Vereinten Nationen nichts anderes als ein Instrument zur Erlangung der globalen jüdischen Herrschaft seien. Es ist nicht verwunderlich, dass zur Begründung dieser Thesen auf die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion“ verwiesen wird, jene Propagandaschrift, die schon den russischen und den nationalsozialistischen Antisemiten als Vorwand für die Unterdrückung beziehungsweise Vernichtung der Juden gedient hatte. Dieser extreme Judenhass findet sich bei allen islamistischen Gruppierungen von der Hamas bis al-Qaida.

Aussichten auf den Bürgerkrieg

Der Dschihad richtet sich zwar gegen alle Nichtmuslime, aber die Vernichtung des Judentums – eben nicht nur des jüdischen Staates – ist für die Extremisten wie auch für den orthodoxen Islam die Voraussetzung für die islamische Welterlösung. Der islamische Antijudaismus ist in Palästina noch extremer als in Europa: 73 Prozent der dortigen Muslime bejahten in einer Umfrage im Jahr 2011 einen Hadith, der die Tötung von Juden von jedem Muslim verlangt.
Nicht nur die Umfrageergebnisse der vergangenen Jahre widerlegen die Mär vomfriedlichen Islam einerseits und der illegitimen Instrumentalisierung des Islam durch radikale politische Kräfte andererseits. Eine Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ergibt keinen Sinn: Der Djihad ist für jeden orthodoxen Muslim verbindlich und damit ein integraler Teil des Islam. Hier liegt daseigentliche Gewaltpotenzial des Islam.
Fazit: Im Hinblick auf die Judenfeindlichkeit von Muslimen und Nichtmuslimen zeigt sich ein erschreckender Unterschied. Doch die politischen und medialen Eliten stellen sich dem Problem des islamischen Antijudaismus nicht und schweigen oder lügen in hohem Maße bei allen Integrationsproblemen. Da man das eigene Versagen nicht eingestehen will, werden Kritiker diffamiert und wird ein drohender Populismus an die Wand gemalt. Der Islamexperte Thomas Tartsch stellt zu Recht die Frage: „Wer wagt es noch, die religiösen Grundlagen des sich ausbreitenden islamisch-eliminatorischen Judenhasses zu thematisieren?“
Es ist sicherlich kein Zufall, dass die EU-Kommission derzeit einen Gesetzesvorschlagprüft, der jede Kritik am Islam unter Strafe stellen möchte. Diese Forderung erheben die islamischen Verbände schon seit Jahren, um ihrem Ziel einer Islamisierung der europäischen Gesellschaften näherzukommen. Mit dieser Politik werden die etablierten Parteien und die Europäische Union insgesamt sicherlich eines erreichen: den europäischen Bürgerkrieg. Hans Magnus Enzensberger stellte diese hellsichtige Diagnose schon in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in seinem Essay „Aussichten auf den Bürgerkrieg“. Sie ist aktueller denn je. ■

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