Oldtimer

Nicht alles was alt ist, war auch schlechter.
Heute bin ich in einem Einkaufsmarkt an so einem Auto vorbeigelaufen.
Autos interessieren mich normalerweise nicht und deshalb bin ich erstmal vorbeigelaufen, ohne das Auto eines Blickes zu würdigen.
Auf halber Höhe dann, bin ich stehengeblieben. Irgendetwas an dem Auto hat mich unbewusst angesprochen.
Es war die Liebe zum Detail, die dieses Auto hatte. Die Lust, etwas Schönes zu gestalten. Es ist wirklich Kunst an so einem Auto wahrnehmbar. Das Chrom, der Lack, die Innenausstattung, die verwendeten Materialien, die Form, der Lack, einfach alles war an diesem Auto schön.
Das Beste was mir jedoch an dem Auto gefallen hat war der Tacho, der war nämlich nur max. 140 km/h.
Damals wussten sie noch, wie sie Autos bauen müssen.
Da hatten sie noch einen Bezug dazu. Da ging es um den Fahrspaß, um den Genuß beim Autofahren. Da ging es noch um das Auto, nicht um den Insassen.
Damals fuhr das Auto noch den Menschen spazieren, heute hetzt der Mensch das Auto durch den Straßenverkehr.
Damals war fahren noch Entspannung und Urlaub, heutzutage ist Autofahren Streß und Arbeit.
Sich in so ein Auto zu setzen und in aller Ruhe die Landschaft dabei zu genießen, das war wirkliches Autofahren. Heutzutage geht es nur noch darum das Ego hochzutunen, sich selbst dabei einen Wert zu vermitteln, damals ging es einfach nur um Spaß an der Freude.
Dieses Auto hat mich an eine Zeit erinnert, in der diese Welt noch nicht so abgehetzt war, in welche sich der Mensch noch Zeit nahm, was man am Tacho sieht.
Damals gönnte sich der Mensch noch Zeit.
Da ging es nicht um Geschwindigkeit, um PS, da ging es um Schönheit.
Es ist wirklich traurig, was aus unseren Autos geworden ist.
Wie sie wie Panzer durch die Straßen fahren.
Seelenlos. Militärisch. Abgehetzt.
Am Auto kann man sehr schön die Entwicklung der Menschheit erkennen.
Unseren Höhepunkt hinsichtlich unserer Schaffenskraft haben wir schon längst überschritten.
Egal was wir heutzutage auch noch produzieren, es drückt immer unseren momentanen Gefühlszustand aus und der ist erbärmlich. Der ist billig.
Der hat mit Liebe zu den Dingen nicht mehr im Geringsten etwas zu tun.
Billige Schrottkarossen, die unsere seelische Entwicklung widerspiegeln. Billige Materialien, die unsere eigene Wertlosigkeit widerspiegeln. Tachos, die unsere Flucht vor uns selbst offenlegen.
Wir denken, wir haben uns weiterentwickelt, weil die Autos schneller geworden sind doch genau das Gegenteil ist der Fall.
Die Geschwindigkeit soll uns davon ablenken, was wir verloren haben.
Unseren Blick für die wahren Dinge.
Unseren Blick für wirkliche Schönheit die in einer Geschwindigkeit an uns vorbeirauscht.
Unsere Ruhe, um sich auf Details konzentrieren zu können.