An die NSA

Sehr geehrte NSA,

ich brauche ihnen dieses Schreiben gar nicht zu schicken, denn es kommt automatisch bei ihnen an.
Dafür haben sie gesorgt.
Alles was ich schreibe, wird von ihnen gesichtet oder kann von ihnen gesichtet werden. Von daher sind sie mir näher, als mein bester Freund.
Vor ihnen habe ich weniger Geheimnisse, als vor meinen engsten Familienmitgliedern.
Sie wissen, ob ich auf Pornoseiten gehe, was ich da bevorzuge oder recherchiere und sie wissen auch über jeden kleinsten Furz von mir bescheid, insbesondere, wenn sie den Abhörton bei meinem Laptop mitlaufen lassen.
Sie wissen wann ich furze, rülpse und wann ich schlafe.
Sie wissen einfach alles von mir.
Sie wissen eigentlich mehr von mir, als mir eigentlich lieb sein könnte, doch ich habe keine Intimsphäre mehr, die haben sie mir genommen.
Ich habe keine Persönlichkeitsrechte mehr und jeden Schritt den ich tue, können sie gegen mich verwenden, wenn es ihnen denn beliebt.
So haben sie auch alle Politiker in der Hand und alle, dessen Einfluss sie sich sicher sein wollen.
Sie können jeden und alle erpressen und wenn derjenige eine zu reine Weste hat, dann können sie ihm auch ein paar Informationen unterjubeln. Das ist für sie alles kein Problem.
Dadurch, dass sie von jedem Menschen in Deutschland mehr wissen, als jeder seiner engsten Familienmitglieder, haben sie die Macht und die Möglichkeit, dieses Wissen für sich zu nutzen, wenn derjenige nicht so mitspielt, wie sie es gerne wollen.
Sie können jederzeit seine intimsten Verhaltensweisen ausplaudern und wenn es demjenigen nicht gerade am Arsch vorbei geht und derjenige nicht schon längst alle Scham hinter sich gelassen hat, dann haben sie ihn dadurch auch in der Hand.
Sie haben so viel Macht über die Menschen, weil jeder seine Scheinwelt aufrecht erhalten will. Weil niemand mit seinen Schattenseiten konfrontiert werden will.
Jeder will wie ein Gott vor allen anderen dastehen und da stört nun mal so ein kleiner Furz.
Eng wird es für sie nur, wenn jemand zu seinen Schatten steht. Wenn jemand sich von dieser Scheinwelt nicht in ein Korsett zwängen lässt, das den Idealen der breiten Masse entspricht.
Wenn demjenigen bewusst ist, dass er momentan ein Mensch ist, der frisst, scheißt und furzt.
Der sich damit abgefunden hat, dass er sich in dieser materialisierten Form nicht im Olymp seiner Scheinwelt befindet.
Dann haben sie ganz schnell ihren letzten Furz getan.