Krankenbesuch

Gerade eben war ich beim Arzt und habe ihm mitgeteilt, dass ich seit Jahren bei ihm in Dauerbehandlung wegen meinem Kreuz bin, weil ich mit der Arbeit die ich jetzt mache an meine körperliche Belastbarkeit komme.
Ich belaste 8 Stunden am Tag, Hin- und Rückfahrt mit dem Fahrrad eingerechnet,  2-3 Tage die Woche meinen Rücken. Permanenten Stehberuf ohne Entlastung der Rückensäule und das in einem Alter mit 48 Jahren.
Es ist also kein Wunder, dass ich nach solchen Tagen erschöpft auf mein Bett falle und alle meine Knochen spüre. Von der Lendenwirbelsäule angefangen, bis über die Knöchel, das Knie und das Hüftgelenk.
Eine ganz normale Reaktion des Körpers, erst recht mit 48 Jahren, obwohl auch schon Menschen die um die 25 Jahre sind, bei so einer Dauerbelastung Kreuzschmerzen bekommen können.
Als ich jetzt gerade also beim Arzt war und ihm mitgeteilt habe, dass ich bei ihm nur deshalb in Dauerbehandlung mit Massagen, Lendenwirbeldehnungen und Krankengymnastik bin, um diese Überbelastung des Körpers irgendwie wieder auszugleichen, hat er erstmal genickt und das verstanden.
Ich habe zu ihm gesagt, ich bin jetzt schon an meiner körperlichen Belastungsgrenze, doch das genügt dem Arbeitsamt nicht, das will mich nochmal zusätzlich in doppelt so viel Arbeit schicken, damit ich aus der Aufstockung herausfalle.
Ich habe ihn darum gebeten, mir doch ein Attest auszustellen, dass ich körperlich nicht mehr arbeiten kann, als das, was ich jetzt bereits mache und das auch nur noch unter Dauerbehandlung bei ihm.
So etwas geht aber nicht in unserem System. Egal, wie viel man auch wirklich tatsächlich arbeiten kann oder nicht, solange der Körper nicht komplett kaputt ist, geht gar nichts.
Erst muss der Körper komplett kaputt gearbeitet sein, damit man überhaupt sein Existenzminimum in diesem Land bekommt.
Dafür hat dann der Staat wieder Geld. Für die Folgeoperationen dieser Dauerbelastung des Körpers, für die Pflege der Menschen, die sich dann Zuhause aufgrund dessen nicht mehr selbst versorgen können.
Da lässt der Staat dann gerne wieder das Geld fließen, was unter dem Strich dem Staat weitaus mehr Geld kostet. Warum auf den gesunden Menschenverstand hören, der einem Mensch sagt, dass eine dauernde Überbelastung des Körpers nur eine dauerhafte nicht heilende Wunde am Körper ist die ständig versucht wird durch Pflaster wieder geheilt zu werden, obwohl man unter dem Pflaster weiter in der Wunde herumstochert?
Der Arzt hat mir dann empfohlen, doch eine Tätigkeit zu suchen, die das Kreuz nicht belastet.
Da habe ich zu ihm gesagt, als was, als Wellnesstester in einem Wellnessbad?
Wo genau gibt es als Verkäuferin in diesem Lande eine 40 Stunden-Arbeit, bei der nicht das Kreuz belastet wird? Was für eine Arbeit kann man 8 Stunden lang ununterbrochen ausführen, dass das Kreuz nicht belastet wird?  Wo wartet diese segensreiche "Arbeit" im Lande auf mich, wenn man bedenkt, dass Sitzen auch das Kreuz belastet?
Für das Arbeitsamt stellt so eine Utopie keinerlei Probleme dar. So eine Arbeit hat es gefälligst zu geben und am Besten zieht sich der Aufstocker so eine Tätigkeit 10 mal im Monat aus dem Ärmel, denn sonst fällt die Aufstockung flach.
In so einer Traumwelt lebt die Behörde, leben die Ärzte, die einem eigentlich helfen sollten.
Der Arzt hat mich dann auch noch vorsichtig versucht darauf hinzuweisen, dass es vielleicht auch seelische Ursachen haben könnte, da habe ich zu ihm gesagt, nein, seelisch bin ich vollkommen gesund, mein Körper wird nur durch die Arbeit zu stark belastet.
Auf diese seelische Schiene fahren viele Ärzte dann gerne mal ab, muss es doch einen Grund geben, warum der Körper eine Belastungsgrenze hat.
Für Eliten müssen die Körper der Menschen wie Roboter funktionieren, ansonsten haben sie eine Fehlfunktion.
Die Einzigen die jedoch eine Fehlfunktion haben sind Menschen, die solche Systeme installiert haben.
Sind Menschen, die glauben der Staat geht pleite, wenn man Menschen mit 50 Jahren nur noch eine Teilbelastung des Körpers zumutet und ihn nicht mehr für so belastbar hält wie bei einem 25 Jährigen.
Als ich dem Arzt dann mitgeteilt habe, dass das Geld locker reichen würde, aufgrund seiner Befürchtung, dass dann jeder 50 Jährige bei ihm auftauchen würde und der Staat sich das nicht leisten kann, hat er dann so langsam das Gespräch beendet.
Nicht aber, bevor ich ihm noch gesagt habe, dass für die Zinsen der Banken unser Geld ja auch locker reicht.
Auf dem Heimweg mit dem Fahrrad ist mir dann noch einfallen, dass ich ihm die Folgekosten so einer Dauerbelastung noch unter die Nase hätte reiben können und das Argument, dass wir hier Systeme installiert haben, wo Menschen in diesem Land ohne jegliche Arbeitsleistung durch Zinsen, Spekulationen, Gewinnmaximierung und viel zu überhöhte Stundenlöhne die Bürger auf ein Übermaß belasten.
Ich glaube, ich habe ihm aber so schon den Tag ordentlich vermießt.
Vor lauter Debatte hätte ich fast das Rezept für die Krankengymnastik vergessen.